Fallakte 01 · Bodensee, Deutschland

Der verschwundene Stellplatz-Schlüssel

Der Generalschlüssel der Rezeption ist spurlos verschwunden.

Leicht6–8 Minuten4 Verdächtige · 6 Hinweise

So geht's: Lest die Akte gemeinsam, vergleicht Aussagen und Alibis und legt euch auf Täter und Motiv fest. Die Auflösung steht ganz unten – erst aufklappen, wenn ihr euch entschieden habt.

Die Akte

Tatzeit
Freitag, 18. Juli – zwischen 19:05 und 19:30 Uhr
Tatort
Campingplatz Sonnenbach, Rezeptionsgebäude
Betroffen
Harald Kempe, Campingplatzbesitzer (58 Jahre)
Schwierigkeit
Leicht

Was passiert ist

Harald Kempe kontrolliert um 19:05 Uhr den verschlossenen Schlüsselschrank der Campingrezeption: Der Generalschlüssel hängt an seinem Platz. Als er um 19:30 Uhr zurückkehrt, ist der Haken leer. Zur selben Zeit meldet ein Sensor eine Öffnung am gesperrten Seitentor. Vier Personen haben Gründe, Harald zu ärgern oder seine Regeln zu umgehen. Doch wer konnte den Schrank überhaupt öffnen?

Eure Aufgabe

Rekonstruieren Sie den einzigen Schrankzugriff, den Gang zum Seitentor und das Motiv. Wer nahm den Schlüssel – und wofür?

Die Verdächtigen

Monika Braun

Rentnerin · 68 Jahre · Stellplatz Nr. 14

Ordentlich, kritisch und rechthaberisch. Immer mit einer Tasse Tee in der Hand. Hat für alles eine Meinung – und teilt sie auch mit.

Möglicher Grund:
Hat Harald wegen eines Streits um seinen Hund gedroht, sich beim Verband über den Platz zu beschweren.
Alibi:
Aß bis etwa 19:15 Uhr mit Günter im Wohnmobil. Anschließend gingen beide zum Sanitärgebäude; die Außenkamera erfasste sie um 19:19 Uhr.
„Haralds Hund war wieder an meinen Blumen. Günter und ich haben erst gegessen, dann mussten wir zum Waschhaus. Das ist doch kein Verbrechen.“

Tobias Schreiner

Schüler · 17 Jahre · Stellplatz Nr. 7 (mit Eltern)

Frech und impulsiv. Liebt laute Musik und hält wenig von Regeln. Hat ein breites Grinsen für jede Gelegenheit.

Möglicher Grund:
Hat nach seinem Verweis wegen der zerstörten Rasenfläche offen über eine Retourkutsche geschimpft.
Alibi:
War von 19:00 bis 19:40 Uhr beim organisierten Volleyballtraining. Trainer und Mitspieler bestätigen, dass er durchgehend auf dem Feld stand.
„Ich war sauer wegen des Rasens, klar. Aber fragen Sie die Mannschaft: Ich habe bis zum Abpfiff nicht einmal eine Pause gemacht.“

Agnes Huber

Studentin / Aushilfskraft · 24 Jahre · Rezeption (Tageseinsatz)

Schüchtern und nervös. Weicht dem Blickkontakt aus und tippt ständig auf ihrem Handy herum. Antwortet auf Fragen sehr kurz.

Möglicher Grund:
Ihr Freund Kevin hat Hausverbot. Agnes hat bereits mehrfach gebeten, ihm noch einen Besuch zu erlauben.
Alibi:
Hatte Rezeptionsdienst von 19:00 bis 19:30 Uhr. Sie behauptet, nur gewöhnliche Schrankkontrollen erledigt und den Tresen nicht verlassen zu haben.
„Ich war eingeteilt und habe den Schlüsselschrank wie üblich kontrolliert. Was am Seitentor passiert ist, kann ich nicht sagen.“

Werner Fuchs

Dauercamper / Rentner · 55 Jahre · Stellplatz Nr. 2 (Dauercamper)

Gesellig, redselig und immer in Grilllaune. Kennt jeden auf dem Campingplatz und liebt es, Geschichten zu erzählen.

Möglicher Grund:
Ist seit zwei abgelehnten Anträgen auf einen größeren Stellplatz verärgert und kennt sich gut mit den Abläufen aus.
Alibi:
Grillte von 18:30 bis 20:00 Uhr mit dem Ehepaar Kuhn und Familie Schäfer. Sie bestätigen seine Anwesenheit während des ganzen Tatfensters.
„Wenn Harald mir den besseren Platz nicht gibt, rede ich mit ihm. Wegen so etwas stehle ich keinen Schlüssel – wir haben bis acht gegrillt.“

Die Hinweise

  1. 1.Der Schrank vor und nach der Tat

    Harald und die Elektriker kontrollierten um 19:05 Uhr sieben Schlüssel am verschlossenen Schrank, darunter den Generalschlüssel mit der Kennung GS. Um 19:30 Uhr hängt GS nicht mehr dort. Am Schloss gibt es keine Einbruchsspuren.

  2. 2.Das elektronische Zugriffsprotokoll

    Zwischen 19:05 und 19:30 Uhr wurde der Schrank genau einmal entriegelt: um 19:16 Uhr mit Personalkarte A-04. Andere Öffnungen sind in diesem Zeitraum nicht registriert.

  3. 3.Die Personalkartenliste

    Laut Empfangsliste ist A-04 ausschließlich Agnes Huber zugeteilt. Sie trug die Karte während ihrer Schicht; der Schrank wird nur nach Anlegen einer solchen Karte entriegelt. Harald war von 19:08 bis 19:30 Uhr nachweislich mit zwei Elektrikern im Lager.

  4. 4.Eine verabredete Uhrzeit

    Agnes zeigt nach der Nachfrage den Chat mit Kevin: Um 19:09 Uhr schrieb er: „Das Seitentor ist abgeschlossen. Kannst du mich gegen 19:20 Uhr dort treffen?“ Kevin hatte weiterhin Hausverbot.

  5. 5.Die Seitentorkontrolle

    Der Sensor meldete um 19:21 Uhr eine Öffnung des Seitentors. Das Tor wird nach Dienstschluss ausschließlich mit dem Generalschlüssel GS aufgeschlossen. In der Nähe lag Kevins auf seinen Namen ausgestelltes Besucherticket.

  6. 6.Die übrigen Wege

    Die Kamerauhr zeigt Monika und Günter um 19:19 Uhr gemeinsam auf dem Weg zum Sanitärgebäude; Monika hatte ihre Mahlzeit also unterbrochen. Trainer und Grillgäste bestätigen Tobias’ und Werners durchgehende Anwesenheit. Keiner hatte eine Zugangskarte zum Schlüsselschrank.

Mögliche Motive

  • Aus Rache für einen unfairen Verweis durch den Besitzer
  • Um einer Person trotz Hausverbots den Zugang über das Seitentor zu ermöglichen
  • Um die Rezeptionskasse unbemerkt zu öffnen
  • Wegen eines lang schwelenden Streits um die Stellplatzzuteilung

Wer war es – und warum? Legt euch fest, bevor ihr weiterlest.

Auflösung anzeigen▾

Täter/in: Agnes Huber

Motiv: Um einer Person trotz Hausverbots den Zugang über das Seitentor zu ermöglichen

Um 19:05 Uhr hing GS noch im verschlossenen Schrank; um 19:30 Uhr war er verschwunden. Dazwischen wurde der Schrank nur einmal entriegelt, um 19:16 Uhr mit der ausschließlich Agnes zugeteilten Karte A-04. Die SMS ihres Freundes Kevin forderte ein Treffen am abgeschlossenen Seitentor gegen 19:20 Uhr; dessen Öffnung wurde um 19:21 Uhr registriert und war nur mit GS möglich. Agnes hatte Zugang, Gelegenheit und einen konkreten Anlass: Sie wollte Kevin entgegen des Hausverbots hereinlassen. Das Abendessen von Monika war zwar unterbrochen, sie hatte jedoch keinen Schrankzugriff; Tobias und Werner waren bei ihren Gruppen.